Busfahrer aus Spanien

10 Busfahrer aus Spanien in Gotha

Früher war es ein Traumberuf kleiner Jungen, heute werden sie langsam rar die Busfahrer. Wolfgang Steinbrück kann ein Lied davon singen. Ihm fehlen Leute. Genauer gesagt, Busfahrer. "Es ist schwer, geeignetes Personal zu finden", klagt der 59-Jährige Fuhrunternehmer aus Gotha. Das braucht er aber, auch wegen der zwei neuen Fernbuslinien, die er seit 2012 anbietet.


Aber er findet es nicht. Mehrfache Versuche, Fahrer über das Arbeitsamt oder über Zeitungsannoncen zu bekommen, brachten nicht den gewünschten Erfolg. Auch die Übernahme der Ausbildungskosten durch die Firma zog nicht. Von drei Männern, die im November 2012 eine Umschulung von der Arbeitsagentur bekamen, blieb am Ende nur einer übrig. Es habe wohl an Lust und Motivation gefehlt, sagt der Firmenchef, dessen Fuhrpark 45 Busse umfasst.


Nachwuchs gebe es aber auch keinen. "Das Berufsbild Busfahrer wurde lange vernachlässigt und erst vor drei Jahren reaktiviert", sagt Steinbrück. Aber das bringt ihn momentan nicht weiter. Er braucht möglichst schnell neue Leute, denn seine Fahrer murren schon, weil die Belastung immer höher wurde. Steinbrück fährt Nahverkehr, Linienfernverkehr, aber auch internationale Touren bis nach Skandinavien oder St. Petersburg. Kein Zuckerschlecken für die Männer am Lenkrad.

 

Die Erleuchtung brachte dann durch einen Zufall das Frühstücksfernsehen. Christian Steinbrück (36), Sohn des Chefs, sah im Herbst 2012 irgendwann im ARD-Morgenmagazin, dass die Deutsche Bahn dringend benötigte Mitarbeiter in Spanien rekrutiert. Denn dort gibt es teilweise eine über 30-prozentige Arbeitslosenquote und man ist bereit, nach Deutschland zu gehen, um den Lebensunterhalt zu verdienen.


Was die Bahn kann, können wir auch", meinte der Junior. Gesagt, getan. Er nahm Kontakt zu einer spanischen Agentur in Berlin auf. Man traf sich im Oktober 2012 in Gotha, redete über Konditionen. Und wurde sich einig. Die Zusage kam.


Im Mai bekommt die Firma Steinbrück aller Voraussicht nach zehn neue Fahrer aus Spanien. "Ältere und Jüngere, alles gelernte Busfahrer", weiß Wolfgang Steinbrück zu berichten. Sie kommen aus Südspanien, wo die Arbeitslosigkeit besonders hoch und die Aussicht auf einen Job besonders niedrig sei.


Gleich Konditionen wie die deutschen Fahrer

Deswegen seien es auch keine Kollegen auf Zeit, sondern auf Dauer. "Und selbstverständlich zu den gleichen Konditionen wie die deutschen Fahrer", bekräftigt der Firmenchef.

 

Zeitungsbericht: Michael Keller - 19.03.2013 - Tueringer-allgemeine