Busfahrer aus Spanien

Busfahrer aus Spanien in Aachen

Spanien ist nicht nur eines der beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen, sondern soll jetzt auch bei der Lösung von Nachwuchsproblemen der Aseag helfen. Das Nahverkehrsunternehmen hat einen hohen Altersdurchschnitt und sucht deshalb händeringend nach neuen Busfahrern. Fündig geworden ist man da in Madrid, wo acht Busfahrer unter Vertrag genommen worden sind und zurzeit einen Deutschkurs absolvieren. Im Sommer kommen sie nach Aachen.


450 Mitarbeiter zählt der Fahrdienst der Aseag, rechnet Sprecherin Anne Linden vor. Die Altersstruktur sieht so aus, dass fast die Hälfte von ihnen zwischen 50 und 65 Jahren alt ist: „Wir müssen in den kommenden acht Jahren mindestens 150 neue Fahrer einstellen.“ Im vergangenen Jahr war es – unter anderem wegen der Personalengpässe – zu erheblichen Ausfällen im Linienverkehr gekommen. Die treten jetzt nicht mehr in dieser massiven Form auf, nachdem 50 Mitarbeiter schon eingestellt worden sind. Nur bei Unfällen oder Defekten rollen die Busse ins Aus und werde der Linienverkehr gestört. Linden: „Die Lage hat sich normalisiert. Wir haben jetzt eine deutlich entspanntere Personaldecke.“

 

Um aktuelle und künftige Lücken zu stopfen, rekrutiert das Busunternehmen auch im hiesigen Beritt auf mehreren Ebenen, hat zum Beispiel in der Region Bewerber gesucht und gefunden, die schon über einen Busführerschein verfügen. Die absolvieren dann einen dreimonatigen Kurs Tarif- und Streckenkunde und sind anschließend für den Fahrbetrieb einsetzbar. Linden: „Dieser Markt ist aber schon leer gefegt.“ Deshalb hat die Aseag auch Bewerber eingestellt, die noch über keinen Busführerschein verfügen. 

Den müssen sie erst einmal in einer Fahrschule erwerben und können erst danach den Abschnitt Strecken- und Fahrkunde absolvieren. Diese Nachwuchskräfte können also erst nach einem halben Jahr ins Rennen geschickt werden. Dritter Baustein ist das Heranführen von Schulabsolventen, etwa mit Realschulabschluss oder Abitur, an den Ausbildungsabschluss „Fachkraft im Fahrdienst“, die dann drei Jahre lang dauert – „ein ganz normaler Ausbildungsberuf“. Die jungen Leute durchlaufen alle Abteilungen der Aseag und „können am Ende im Fahrdienst eingesetzt werden“. Allerdings müssen sie dann 21 Jahre alt sein, um den Personenbeförderungsscheins zu erlangen. Vier Azubis habe man permanent, eine zusätzliche Fahrschule ist eingeschaltet.

 

Weil das aber alles immer noch nicht reicht, hat man die Fühler nach Südeuropa ausgestreckt. Weshalb Spanien? Linden: „Wir haben uns dort umgeschaut, weil dort ein mit Deutschland vergleichbarer Ausbildungsstand besteht.“ Deshalb habe man in Madrid eine Anzeige geschaltet, auf die sich 70 Bewerber gemeldet hätten, alles derzeit arbeitslose Busfahrer. 14 seien anschließend zu Vorstellungsgesprächen gebeten worden, die entweder auf Englisch oder mit Dolmetscher geführt wurden, acht seien letztlich auserkoren worden. Seit Februar absolvieren sie einen Deutsch-Kurs und im Sommer werden sie nach Aachen kommen, um sich die Rahmenbedingungen anzuschauen, einen weiteren Sprachkurs zu absolvieren sowie die Tarif- und Streckenschulung zu durchlaufen, um dann „im Idealfall“ endgültig die Festanstellung zu erhalten. Übrigens nicht bei der Aseag, sondern bei der ES-Bus, einer Servicegesellschaft mit eigenem Tarifvertrag, beispielsweise geringerer Altersversorgung. Übrigens: Auf hiesigen Straßen fahren Busfahrer aus 20 Nationen.

 

17.03.2014, Aachener Nachrichten