Fahrermangel in Deutschland

Fahrermangel in Deutschland

Deutschland verfügt über eine breite Infrastruktur. Neben dem Straßennetz und dem Schienenverkehr zeichnet sich die Bundesrepublik durch einen gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr aus, insbesondere im Busverkehr. Fern- und Linienbusse fahren auf langen und kurzen Strecken und können flexibel eingesetzt werden. Sie stellen eine ideale Ergänzung zum Schienenverkehr dar und erfreuen sich eines großen Zuspruchs. Häufig sind sie zuverlässiger und günstiger als die Bahn und können diese im Schienenersatzverkehr nicht nur ergänzen, sondern ersetzen. Der gute Kundenservice ist inklusive. Jedoch fällt es schwer, den hohen Standard zu erhalten. Busunternehmen blicken mit gemischten Gefühlen in die Zukunft: Sie haben ein Personalproblem.

 

Aufgrund der Rentenregelung für Arbeitnehmer mit 40-jähriger Berufserfahrung können Busfahrer bereits mit 63 Jahren in die Rente gehen. Anderseits interessieren sich weniger Jugendliche für den Beruf des Berufskraftfahrers, so dass es Busunternehmen immer schwerer fällt, offene Stellen zu besetzen. Es kommt zu Problemen bei der Einhaltung von Fahrplänen. Die Unternehmen müssen sich nach alternativen Lösungen umsehen, oder die Fahrpläne so umschreiben, dass weniger Fahrer auf weniger Strecken fahren.

Probleme bei der Personalbeschaffung

Welche Alternativen stehen einem Busunternehmen zur Verfügung; wie gelingt es, einem Jugendlichen zu vermitteln, dass der Beruf des Busfahrers ein attraktiver Ausbildungsberuf ist?

 

Die Zeiten, in denen sich Jugendliche für den Beruf des Berufskraftfahrers entscheiden, liegen weit zurück. In den 70er- und 80er-Jahren galt dieser Beruf noch als Traumberuf. Die Zeiten haben sich geändert. Jugendliche entscheiden sich häufiger für eine Akademiker-Laufbahn und denjenigen, die diesen Weg nicht einschlagen, erscheint der Beruf als unattraktiv. Die Vergütung ist bescheiden, die Arbeitszeiten ungünstig und diejenigen, die übrig bleiben, scheinen überfordert zu sein, so dass der Nachwuchs ausbleibt. Der Mangel an Auszubildenden kann in der Zukunft zu Problemen im öffentlichen Nah- und Fernverkehr führen: weniger Verbindungen zwischen abgelegenen und kleineren Orten, geringere Taktung (z.B. nur noch drei Verbindungen pro Tag anstatt sechs), überforderte Busfahrer, welche die Lenk- und Ruhezeiten nicht einhalten können. Es besteht die Gefahr, dass unprofitable Strecken gestrichen werden.


Personalbeschaffung von europäischen Fahrern

Mittlerweile verstehen Busunternehmen, dass der Fachkräftemangel nicht mit deutschen Fachkräften gelöst werden kann. Der Blick geht ins europäisches Ausland. Dort findet man eine umgekehrte Situation: einen Überhang an gut ausgebildeten Fahrern, die aufgrund der Arbeitsmarksituation keine Anstellung finden. Insbesondere in Spanien gibt es eine Vielzahl an erwerbslosen Fachkräften. Die spanischen Fahrer stellen eine Alternative bei der Personalbeschaffung dar. In Deutschland erwartet sie das, was sie in Spanien nicht mehr finden: ein stabiles Beschäftigungsverhältnis.

 

Der größte Überhang an spanischen Busfahrern befindet sich in der Altersgruppe der über 45-Jährigen und der unter 30-Jährigen. Die Berufsgruppe der über 30-Jährigen mit ausreichend Berufserfahrung befindet sich meist in Beschäftigung. Jedoch ist auch in diesem Segment eine zunehmende Unsicherheit zu beobachten. Die große Auswahl an gut ausgebildeten Fahrern hat zu einer weitestgehenden Auflösung von stabilen Beschäftigungsverhältnissen geführt. Die spanischen Busunternehmen haben eine große Auswahl an exzellenten Fahrern, die bereit sind, zu Dumpinglöhnen und unregelmäßigen Arbeitszeiten ihren Dienst zu verrichten. So stellt sich auch in dieser Gruppe eine zunehmende Bereitschaft ein, ins europäische Ausland abzuwandern. Im Zeitalter von günstigen Flugtickets werden die Entfernungen kürzer. Der Schritt nach Deutschland ist kleiner geworden.

Personalvermittlung von spanischen Fahrern

Je nach Region findet man unter den spanischen Bus- und Lkw-Fahrern eine Arbeitslosenquote von 7% bis 20%. Im Süden ist deren Anzahl höher als im Norden. Die meisten von ihnen sind männlich und auf der Suche nach einer Festanstellung. Der Markt ist vielfältig und unübersichtlich. Es reicht oft nicht aus, eine Stellenausschreibung zu veröffentlichen. Man benötigt einen starken Partner Ort, der sich mit den landeseigenen Gegebenheiten auskennt und in der Lage ist, mit den Fahrern zu kommunizieren. Landesspezifika, Arbeitsverträge und Unternehmenskultur müssen übersetzt werden. Andernfalls läuft man Gefahr, dass auch in Spanien Stellenausschreibung ins Leere verlaufen.

 

Die spanischen Berufskraftfahrer, die für eine Vermittlung infrage kommen, sind sich ihrer Entscheidung bewusst und wissen, dass sie sich für längere Zeit an das deutsche Bus- und Transportunternehmen binden. Nur so ist eine internationale Personalvermittlung sinnvoll. Sie bringen oftmals ihre Familie mit. Der Umzug wird zusammen mit der Firma organisiert. Wenn sich ein deutsches Transportunternehmen an einen Personaldienstleister wendet, verläuft die Vermittlung problemlos. Die Personalvermittler stellt sicher, dass die Fahrer eine europäische Fahrererlaubnis besitzen, an einem Sprachkurs teilgenommen haben und über die notwendige Motivation verfügen, in Deutschland zu arbeiten.


Arbeitnehmerfreizügigkeit und EU-Richtlinien

Die spanischen Berufskraftfahrer erreichen Deutschland mit der Sprachkompetenz A2 des europäischen Referenzrahmens für Sprachen. Damit sind die Fahrer auf ihr neues Arbeitsumfeld vorbereitet. Nach einer kurzen Einarbeitungsphase finden sie sich mit den örtlichen Gegebenheiten zurecht und können mit den Fahrgästen, Kollegen und Vorgesetzten kommunizieren.Die Fahrer verfügen über die gleichen Fahrerlaubnisse wie in Deutschland und werden aufgrund der EU-Richtlinie 2006/126/EG anerkannt. Die spanischen Fahrer unterliegen der uneingeschränkten Arbeitnehmerfreizügigkeit. Sie sind in steuer- und arbeitsrechtlicher Sicht ihren deutschen Kollegen gleichgestellt. Ein Busfahrer, der in Spanien die Fahrererlaubnis der Klasse D oder DE erworben hat, kann diese Fahrererlaubnis in Deutschland verwenden. Die Klasse D ist für Omnibusse, die über mehr als acht Sitzplätze verfügen und mit einem Anhänger von bis zu 750kg. Bei der Fahrererlaubnis der Klasse DE wiegt der Anhänger mehr als 750kg. Im Bereich des Güterverkehrs verfügen die spanischen Fahrer über die Führerscheinklasse C zum Führen eines schwereren Lastzuges mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 t und einem Anhänger von bis zu 750 Kg und/oder über die Klasse CE für Anhänger über 750 Kg und entsprechen damit den europäischen Standard.

Die spanischen Fahrer haben ein dienstleistungsorientiertes Verständnis und üben ihren Beruf aus Überzeugung aus. Sie haben ein Interesse an langfristigen Arbeitsverträgen. Nach einer kurzen Einarbeitungsphase sind sie im öffentlichen Nahverkehr, aber auch im Linien, Fern- und Güterverkehr einsetzbar, so dass sie mittelfristig einen sinnvollen Baustein bei der Personalbeschaffung in Deutschland darstellen.

 

Da mittelfristig nicht von einer deutlichen Belebung der Ausbildungssituation auszugehen ist und sich die demographische Situation nicht verändern wird, können spanische Fahrer helfen, die Arbeitsbelastung in deutschen Transportunternehmen zu entspannen. In vielen Fällen wird der Transportbranche keine andere Wahl bleiben als verstärkt auf ausländisches Personal zurückzugreifen. Schon jetzt setzen viele lokale, aber auch internationale Unternehmen auf das europäische Ausland, insbesondere auf Spanien. Bei der Berliner BVG, im thüringischen Sömmerda oder in Aachen arbeiten bereits spanische Fahrer. Sie sorgen für eine deutliche Entspannung der Arbeitsbelastung auch der deutschen Kollegen. Es geht nicht um die Anwerbung billiger Arbeitskräfte, sondern um eine sinnvolle Ergänzung zu den bestehenden Schichten und eine Entlastung des spanischen Arbeitsmarktes.